Gehen Pornografie und Feminismus zusammen?, so lautete die Frage, die Laura Méritt, der Initiatorin und Veranstalterin dieser Preisverleihung, in Interviews am häufigsten gestellt wurde. Gewöhnlich finden feministische Highlights eher jenseits der  (Mainstream)Presse statt, aber dieses Mal war über einen Mangel an Aufmerksamkeit nicht zu klagen und selbst der Spiegel reihte sich in die Warteliste.

Gehen Feminismus und Pornografie zusammen? Mit dieser Frage setzten sich sowohl Preisträgerinnen, als auch Laudatorinnen auseinander.

Zu Beginn der zweiten Frauenbewegung ging es zunächst patriarchatskritisch gegen frauenfeindliche Männerfantasien in der Pornografie. Bekannt wurde die Auseinandersetzung insbesondere durch die PorNo-Kampagne der EMMA. Ohne Zweifel ist diese Kritik berechtigt, allerdings zeigt sie nur eine Seite der Medaille.
Von Anfang an standen auch sexuelle Selbstbestimmung und das Entdecken und Ausleben der eigenen Lust im Fokus der Aufmerksamkeit. Erinnert wurde an diesem Abend an die Frauengesundheitsbewegung, an Specula und Gruppenevents mit Handspiegel, an Aufklärungsfilme und Safer Sex Instruktionen.

War der gesamte Filmmarkt in den 60/70er Jahren noch eine reine Männerdomäne, traf das auf den Pornosektor umso mehr zu. Wie schwer es war für Frauen, sich auch hinter der Kamera und als Regisseurinnen einen Platz zu erkämpfen, daran erinnerte Schirmfrau Ula Stoeckl.

Brauchen Frauen, brauchen Feministinnen, brauchen Lesben Pornos? Brauchen die Pornos die weibliche Sicht? Dies steht nach Überzeugung aller Rednerinnen außer Zweifel. Inzwischen ist es gelungen, den Blickwinkel von Frauen sogar in Mainstreamproduktionen verstärkt einzubringen, da auch die Wünsche der Konsumentinnen  an Gewicht gewonnen haben. Wäre dies ohne die frauenbewegten Pionierinnen jemals möglich gewesen? Laura Méritt erinnerte daran, dass feministische Sextoy-Produzentinnen längst den gesamten Markt dahingehend revolutioniert haben, dass inzwischen überall qualitativ höherwertige und damit auch schadstoffärmere Toys angeboten werden. Und schöner sind sie allemal geworden.

Feministische Pornografinnen stellen Grenzen in Frage, zeigen alle Geschlechter, Alter, Körperbilder, schaffen antirassistische Gegenentwürfe.

Zusammenschnitte von filmischen Highlights der PreisträgerInnen – u.a. Maria Beatty, Petra Joy und Candida Royalle, flimmerten über die Leinwand des ausverkauften Filmtheaters der Hackeschen Höfe in Berlin. Die Ladies des Netzwerkes Freudenfluss erwiesen sich als überaus charmante Gastgeberinnen der Preisverleihung und der sich anschließenden Party in der Berliner Homebase Lounge. Sichtlich bewegt nahmen die Preisträgerinnen die Trophäen entgegen: Kristallene Austern, die eine Perle enthüllen, funkelten im Scheinwerferlicht.

Was mir als Besucherin auffiel? Die überaus wertschätzende Atmosphäre der Veranstaltung, die Hommage an die Pionierinnen der sexpositiven Bewegung. Kluge Gedanken, wundervolle starke Frauen. Es war ganz ohne Zweifel eine der feministischsten Veranstaltung, die ich in  den letzten Jahren besucht habe und obendrein war es mit Abstand die lustvollste! Wir sind  Zeitzeuginnen einer feministischen Revolutionierung des Pornomarktes und morgen kümmern wir uns um den Rest der Welt!

Gehen Feminismus und Pornografie zusammen? Ich finde: Ja!

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Autorin: Ute Linde / Lesbenring e.V.