Die ganz normale Ehe einer verheirateten lesbischen Transsexuellen

Seit ihrer Geburt ist Petra D.* eine Frau – mehrere Jahrzehnte hat es gedauert, bis ihre Identität auch rechtlich anerkannt wurde. Das letzte Hindernis auf diesem Weg war ihre Ehe mit einer Frau, ihrer Frau. Denn die beiden Frauen, Petra und Barbara*, wollten sich nicht scheiden lassen. Aber das Transsexuellengesetzes (TSG) verlangt die Ehelosigkeit als Bedingung für die rechtliche Anerkennung im neuen Geschlecht.

Nach Jahren der juristischen Auseinandersetzung entschied das Bundesverfassungsgericht Ende Juli, auch die Ehe von Transsexuellen stehe unter dem Schutz von Artikel 6 und erklärte § 8 Abs. 1 Nr. 2 des TSG für verfassungswidrig. Schon wenige Wochen später vollzogen Amtsgerichte in München, Celle, Erfurt und Berlin Personenstandsänderungen von transsexuellen Frauen. Auch Petra D. wurde endlich vom Staat als Frau anerkannt. Sie ist damit eine der ersten, die in einer gleichgeschlechtlichen Ehe lebt.

Zwei Frauen in einer Ehe – ist das automatisch eine lesbische Ehe? Juristisch leider nicht. Petra und Barbara bedauern das, es macht ihre Partnerschaft zu etwas besonderem, das haben sie nicht gewollt. „Die jetzige Situation ist nicht optimal. Uns wäre es lieber, wenn Ehen und Eingetragene Lebenspartnerschaften umfassende Rechte hätten. Dann wäre unsere Partnerschaft so wie die der anderen Frauen. Ich hoffe, dass das Urteil des Bundesverfassungsgericht da etwas bewirkt.“

Petra ist lesbisch, keine Frage für sie, dass auch ihre Ehe eine lesbische Beziehung ist. „Meine sexuelle Orientierung musste ich nicht ändern, ich habe immer Frauen geliebt, besonders natürlich meine Frau.“ Sie sei eben ein „spätes Mädchen“ sagt sie und nimmt mir die Frage nach der Verwandlung aus der Hand: „Vermutlich ist es leichter, die Rolle zu wechseln als die sexuelle Orientierung“. Nur mischt sich der Staat beim Wechsel der sexuellen Orientierung nicht ein, wohl aber, wenn irgendetwas an dem geändert werden soll, das bei der Geburt unter der Rubrik Geschlecht eingetragen wurde.

„Mein Lieblingssatz ist: Ich bin eine ganz normale Frau, hatte nur einen kleinen Geburtsfehler“, sagt Petra. Das TSG hat nicht nur einen kleinen Geburtsfehler, sondern gleich ein ganzes System von Fehlern. Verabschiedet zu einer Zeit, als Homosexualität noch Gegenstand des Strafgesetzbuches war, ist es bestimmt vom Bild der heterosexuellen Normalität. Die Verfasser hatten nicht bedacht, dass Menschen, die ihren Körper ihrem Gefühl angleichen wollen, in der Regel nicht ihre sexuelle Ausrichtung ändern wollen. Trotz mehrfacher Mahnungen des Verfassungsgerichtes wurde das 24 Jahre alte Gesetz bis heute nicht reformiert – unter anderem, weil man die gleichgeschlechtliche Ehe verhindern wollte.

„Die Leute sind immer noch erstaunt, wenn ich sage, das ist meine Frau. Eine Ehe zwischen zwei Frauen, geht denn das? Partnerschaften zwischen Frauen werden viel zu viel verheimlicht. Wenn wir uns im Fitnessstudio ganz selbstverständlich als Paar anmelden, sagen die, wie toll, dass Sie dazu stehen. Ja, warum nicht? Weil es so wenige gibt, die sich offen zeigen, bleibt vor allem das Bild, das die Presse und Skandalberichterstattung liefern. Transgender wird mit Travestie-Show und Rotlichtmilieu assoziiert. Dabei leben wir hier in Bayern ganz normal wie andere Ehepaare auch, haben Kinder, ein Haus und gehen zu Arbeit. Für eine Schlagzeile ist das eigentlich nicht geeignet.“

Hat sich etwas geändert, seit ihrer rechtlichen Anerkennung als Frau? Für die Partnerschaft nicht, betonen beide, aber nach außen hin schon viel. Etwa wenn Petra ins Krankenhaus geht. Früher musste sie darum kämpfen, auf die Frauenstation zu dürfen. Für öffentliche Institutionen gilt nur der Pass, nicht die eigene Meinung.

Die Unterlagen für die Personenstandsänderung lagen dem Amtsgericht schon seit Jahren vor: Operationsbericht, Gutachten – auch einen Plan B gab es. Für den Fall, dass das Bundesverfassungsgericht den Vorlagebeschluss aus Berlin nicht in ihrem Sinne beschieden hätte, hatte Petra die Argumentation für ihre eigene Klage vorbereitet. Nun musste sie nur einen Antrag auf Wiederaufnahme des bis dahin ruhenden Verfahrens stellen. Anfang September war es dann Zeit für eine große Flasche Champagner. Auch eine neue Heiratsurkunde gibt es inzwischen. Herzlichen Glückwunsch dem Paar – welche von uns kann schon zwei Mal die gleiche Frau heiraten?

* Die beiden Frauen leben offen in ihrer Umgebung und im Beruf, wollen aber nicht zum Medienereignis werden. Aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes hat die Redaktion daher entschieden, ihre Namen hier zu verändern.

Aus: respekt! Zeitschrift für Lesben- und Schwulenpolitik, Dezember 2008