Noch bis 24.05.09 ist im C/O Berlin die Ausstellung Annie Leibovitz A Photographer’s Life 1990 – 2005 zu sehen. Es ist der einzige Ort an dem die über 200 teils großflächigen Fotos in Deutschland zu sehen sind.  Die Kurzzusammenfassung: Ich war gestern da und wenn eine die Gelegenheit hat: hingehen!

Das C/O Berlin ist das ehemalige Postfuhramt, liegt in Berlin-Mitte, nur zwei Stationen vom Hauptbahnhof entfernt und wirkt so, als sei es nach der Wende noch nicht richtig renoviert worden. Überall liegen Kabel über Putz, die Schwellen sind mit gelb-schwarzem Klebeband versehen und weder Wände noch Fußböden sind eben. An den Wänden hängen – wie zufällig angeordnet – die Fotos, auf der Erde darunter stehen einfache Schilder, die ggfs. erklären, wer oder was auf den Fotos zu sehen ist. Familie kreuzt sich mit Stars kreuzt sich mit Politik kreuzen sich mit der Lebensgefährtin Susan Sontag kreuzen sich mit den Babys.

Aber natürlich gibt es eine Ordnung. Viele Bilder sehen wir als kleine Abzüge, Aufnahmen von der Mutter am Strand tanzend, eine ganze Reihe davon. Dazu der Vater, die Geschwister und immer wieder Kinder. Alles, was wir bislang über glückliche jüdische Großfamilien gedacht haben: Hier ist es zu sehen.

Und dann die ganzen Stars: Cindy Crawford, Nicole Kidman, die Queen usw. Natürlich hat sie auch Männer fotografiert. Das ist aber fast egal, denn das Gute an den Fotos ist, dass sie Fotos macht, die wirken, als stünde die Person vor einem, freundlich, offen und fast normal. Na ja, das Foto von den Trumps ist nicht normal!

Dann gibt es noch die Fotos von Susan Sontag. Die beiden waren 16 Jahre lang ein Paar, 10 Jahre davon war Susan Sontag an Krebs erkrankt. Sie starb am 28. Dezember 2004 in New York, wo die beiden in zwei sich gegenüberliegenden Wohnungen lebten. Annie Leibovitz hat ihre Reisen nach Mexico und Venedig fotografiert, die Eindrücke in Kriegsgebiete wie Sarajewo und das Sterben von Susan Sontag. Daneben hängen die Bilder ihres ersten Kindes: Sarah; Annie Leibovitz war 52, als sie 2001 das erste Mal Mutter wurde. 2005 bekam sie die Zwillinge Susan und Samuel.

Wenn ihr hingeht, geht früh! Wir waren an einem Sonntag Vormittag da und als wir gegen 13 Uhr wieder rauskamen, gab es bereits eine Schlange von 20 Metern. Der Eintritt beträgt übrigens 10 EUR. Und viele der Bilder sind im Katalog zu sehen.

Noch etwas Rechtliches: Annie Leibovitz erbte den Besitz ihrer verstorbenen Lebensgefährtin. Dafür muss sie nun bis zu 50% Steuern bezahlen. Sie hat deshalb Häuser und die Rechte an ihrem Werk für 15,5 Mio. $ verpfändet. Verheiratete Heterosexuelle hingegen sind von der Erbschaftssteuer komplett befreit.

Weiterlesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Annie_Leibovitz
Hier ein paar Bilder aus der Ausstellung bei welt.de