Der im November 2011 bei der L-Filmnacht gezeigte und Anfang Dezember 2011 auf DVD erschienene Film ist keine leichte Kost: Ein lesbisches Paar, das vor zwei Jahren den gemeinsamen 5-jährigen Sohn Vetle auf einer Tour in der endlosen Weite der norwegischen Berge durch ein Unglück verloren hat, macht diese Tour noch einmal. Es ist kalt, es ist karg, es schneit und es gibt nur zwei Darstellerinnen: eben dieses Paar, bestehend aus Nora und Solveig.

 Fjellet - Der BergNichts kann ablenken. Interessant ist, dass Regisseur Ole Giaever weder durch Schwenks in die großartige Landschaft noch durch weitere Schauspielerinnen oder Schauspieler uns verführt, vom Thema abzukommen.

Und was ist das Thema?

Zum einen der Tod des Jungen und dessen Bewältigung. Und zum anderen die Liebesbeziehung zwischen Nora und Solveig.

Fjellet - Der Berg: SolveigNora, die lebhaftere der beiden, drängt darauf, dass Solveig, die leibliche Mutter von Vetle mit ihr diesen Weg geht. Anderenfalls beendet sie die Beziehung. Solveig ist nicht so der redelige Typ. Sie verarbeitet den Tod durch Weglaufen, Bockigkeit und Wut. Beide sind zusammen mehrere Tage unterwegs, mit Rucksack, Zelt und einem großen Vorrat an Lebensmitteln (und selbstverständlich in hervorragendem und schickem Outdoor-Outfit, so dass lediglich die Zuschauerin friert 😉 Sie ersteigen zusammen den Berg, ganz oben ist Vetle abgestürzt. Die Dialoge beim 4-tägigen Aufstieg drehen sich aber nicht nur um den Unfalltod des Jungen. Es sind Dialoge, die viele von uns auch aus ihren Beziehungen kennen. Dialoge um Ehrlichkeit, Loyalität und Zusammengehörigkeitsgefühl. Dialoge über Verzweiflung, Ausweglosigkeit und Weitergehen. Vereinfacht wird die Situation auch nicht dadurch, dass nun Nora schwanger ist und die beiden ihr zweites Kind erwarten.

Fjellet - Der BergDas alles muss man aushalten können. Das fühlt sich aufgrund der fehlenden action streckenweise langatmig ein, aber eigentlich ist jeder Moment voller Spannung. Bleiben sie zusammen, gehen sie gemeinsam diesen Weg oder haut Solveig doch noch ab? Das alles in der weißen Kälte einer Hochebene, wo außer dem heftigen Wind und den Stimmen der Beiden (im norwegischen Original) nichts weiter zu hören ist.

Mir hat der Film sehr gut gefallen. Zum einen finde ich es gut, dass lesbische Frauen sich mit dem Thema Tod im allgemeinen und lesbische Paare sich mit dem Tod eines Kindes im besonderen beschäftigen. So selten dürfte beides ja auch nicht sein. Zum anderen ist der Film zwar ergebnisoffen, aber mich hat er positiv gestimmt. Ich hatte den Eindruck, die beiden sind sich auf diesem Weg wieder so nahe gekommen, dass das „neue“ Kind und die Beziehung eine Chance haben.

Fjellet – Der Berg
Ole Giaever | Norwegen 2011 | 73 min | Blu-ray | norweg. OF mit dt. UT

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