Heute war in Frankfurt am Main Demoparade, in zwei Wochen ist eine in Hamburg usw. – Die Forderung nach Gleichstellung in ‚verkörperten‘ Aufzügen allenthalben. Manchen ist es zuviel Klamauk für ernste Angelegenheiten.

Judith Butler ist Queer-Theoretikerin, was meint sie? 2002 hielt sie eine Rede, aus der hier Abschnitte in den konkreten Zusammenhang der aktuellen CSD-Saison gerückt werden.

Butler sieht dort ein interessantes politisches Dilemma, wo ‚(Menschen)Rechte‘ Individuen betreffen oder Gruppen, etwa dann, wenn wir dafür argumentieren, vor Diskriminierung geschützt zu werden. Wir müssen uns nämlich in diesem Kontext als Gemeinschaft von Gleichen definieren (a community defined by sameness). So zu reden sollten wir tatsächlich auch in der Lage sein, um rechtlichen Schutz zu erlangen, meint Butler.

Aber diese rechtlichen Definitionen seien keine adäquaten Beschreibungen dessen, worum es bei uns gehe (what we are about). Denn die würden dem nicht gerecht, was uns von uns selbst wegzieht und zu anderen hin, in Leidenschaft und Trauer und Wut, was uns in Leben (lives) verwickelt, die nicht unser eigenes sind. Wie eine politische Community aus solchen Bindungen zusammengefügt wird, sei nicht leicht zu verstehen, meint Butler. Auch wenn wir ‚wir‘ sagen, gebe es keinen Weg, die Unterschiede zwischen der Anderen und mir aufzuheben, und diese Problematik sei nicht lösbar.

Zum Beispiel fordern wir vom Staat, so Butler, dass die Gesetze sich nicht an unseren Körpern vergreifen (keep its laws off our bodies) und dass die Prinzipien körperlicher Integrität und Selbstverteidigung als zum politischen Wohl gehörend akzeptiert werden (be accepted as political goods).

Allerdings würden Gender und Sexualität mit allen ihren kulturellen Einschreibungen und sozialen Bedeutungen anderen gerade verkörpert vorgeführt – mit aktuellem Saisonbezug anzufügen wäre: erst recht bei einer Demoparade. Körperliche Autonomie, so Butler, sei also ein dynamisches Paradox.

Auf welche Weise nun, fragt Butler, könnten in all diesen politischen Kämpfen Körper eine andere Konzeption von Politik eröffnen?

Paraphrasiert zusammengefasst und übersetzt aus: Judith Butler, „On Being Beside Oneself: On the Limits of Sexual Autonomy“, in: Sex Rights. The Oxford Amnesty Lectures 2002, Oxford University Press 2005, S. 48-78, diese Abschnitte von S. 52/53.