Bewusst gewählt ist ihre Femininität, berichten die drei Interviewten in Anton Binnigs neuem Film „femme*femme*femme“, der in diesem Herbst bei den Lesbisch Schwulen Filmtagen in Hamburg Premiere hatte und gleich danach vom Team der Rosa Linse zum 5. LesbischSchwulen Filmwochenende nach Kiel geholt wurde.

femme*femme*femme, ein Film von Anton Binnig, lief auf dem 5. LesbischSchwulen Filmwochenende in KielDer Dokumentarfilm gibt drei Femmes viel Raum, ihre ganz individuellen Konzepte von Femme-Sein vorzustellen. Vor der Kamera reflektieren die drei persönliche Erfahrungen und ihr vielschichtiges Verhältnis zu dieser bewusst gewählten Identität. Entstanden ist ein Film über drei  Femmes, mit ernsten und witzigen Geschichten und einer unüberhörbaren, solidarischen Kritik an der queeren Szene.

Und wie spannend zu erleben dass Marlen Jacob, deren Stimme nach 25 Folgen ihres Podcast heiter scheitern richtig vertraut ist, in dem Film ein Gesicht bekommt! Für die begeisterte Podcast-Abonnentin war es allzu einfach geworden, sie als Frau ohne Visibilität wahrzunehmen. Weit gefehlt.

Apropos: Sichtbarkeit – modern Lesbarkeit – war denn auch eines der Themen in Anton Binnigs Film. Wie werden Femmes gelesen, wer nimmt sie wahr und wie? Zu wenig war die einhellige Antwort auf die letzte Frage, oft genug nicht „richtig“ und im schlimmsten Fall als Hetera. Die Innensicht – hart erarbeitete Femininität oder Femmeness – und die Außensicht oder Außen-Unsichtbarkeit als queeres Subjekt auszubalancieren war für die drei Interviewten Das Team von der Rosa Linse hat Anton Binnig mit seinem Film femme*femme*femme nach Kiel geholteines der zentralen Themen: Femme als Gender, als eigenständige Geschlechterrollenidentität kommt selten vor – selbst bei Butch/Femme nur hinter dem Schrägstrich, wie eine der Frauen bemerkte.

Der Film verbindet Oral History, mündlich überlieferte Geschichte, mit Kunst. Graffiti von berühmten Namen werden gesprüht, Anziehpuppen mit den aufregendsten Gender Expressions versehen (ein Anklang an das legendäre Paper Doll in Vor-Stonewall-Zeiten in San Francisco?) und Menschen mit interessanten Masken tanzen unscharf in dunklen Kellern. Sehr beeindruckend.

Dieser Film wird in die überlieferte lesbische Geschichte eingehen und zu einer der Ressourcen werden, auf die in 15 Jahren noch Bezug genommen wird. Wenn die Gelegenheit besteht ihn auf einem Festival zu sehen: nur zu.

Links und Quellen: