Fanny war eine US-Frauenband mit Frontfrau June Millington. Sie waren Pionierinnen als eine der ersten Rockbands, die ausschließlich aus Frauen bestand und als zweite Frauen-Rockband, die bei einem der ganz großen Labels unter Vertrag kam, nach Goldie & the Gingerbreads. Fanny war die erste Frauenband, die bei einem der großen Labels ein komplettes Album veröffentlicht hat. In der Originalbesetzung bestand die Band aus Jean Millington (Bassgitarre, Vocals), June Millington (Gitarre, Vocals), Nickey Barclay (Keyboard, Vocals) und Alice de Buhr (Schlagzeug, Vocals).

Und wie sie rockten! Hier ein Auftritt mit dem Song „Charity Ball“ von dem gleichnamigen Album, 1971:

 

In Kürze

Fannys Gitarristin June Millington zählt zu den herausragendsten Bandgitarrist*nnen Anfang der 1970er. Inzwischen betreibt sie gemeinsam mit ihrer Partnerin Ann Hackler ein gemeinnütziges Institute for the Musical Arts, das Frauen und Mädchen musikalisch fördert. Sie ist als Produzentin tätig und hat neben vielen anderen interessanten Künstlerinnen auch Bitch and Animal produziert. Ihre Schwester Jean Millington, Bassistin bei Fanny, heiratete einen David Bowie Gitarristen.  Apropos Schwester: Die Schwester von Suzie Quatro, Patti Quatro, stieg nach June Millingtons Ausstieg als Gitarristin bei Fanny ein.

June Millington 1973Bei Reprise Records erschienen in kurzer Folge vier Alben der Original-Bandzusammensetzung: Fanny (1970), Charity Ball (1971), Fanny Hill (1972) und Mother’s Pride (1973).

Wie alles anfing

Die Schwestern June und Jean Millington, Töchter eines US-Offiziers und einer Dame der Phillipinischen Gesellschaft, kamen 1961 mit ihrer Familie nach Sacramento. Mit Musik erspielten sie sich die Anerkennung in ihrer High School, zuerst als Duo aus June (Gitarre) und Jean (Bass) und bald mit ihrem ersten Frauen-Quartett, The Svelts. Ihre erste Schlagzeugerin war ihre Schulfreundin Brie Berry, die das Bandleben hinwarf um ein Baby zu bekommen und Jahre später als Brie Brandt wieder zu Fanny stieß.

1968 kamen Gitarristin Addie Clement (von der Band California Girls) und Schlagzeugerin Alice de Buhr hinzu, bald darauf Keyboarderin Nickey Barcley. Im gleichen Jahr lernten die Frauen Richard Perry kennen, damals Mitarbeiter der Plattenfirma Warner Bros, der sie bei einem der Warner Labels, Reprise Records unterbrachte und die ersten drei Fanny-Alben produzierte.

Pionierinnen und Burnout

Das Pionierinnendasein war für die Musikerinnen alles anderes als einfach, der Anfang als Frauen-Rockband auf TourneeJune Millington mit Partnerin Ann Hackler heute (Bild: The Slammin' Babes) war hart. Keyboarderin Nickey Barclay:

„Wir standen massiv unter Druck uns zu beweisen. Als wir anfingen aufzutreten, hatten wir einfach irgendwelche Kleidung an, die gerade da war. Es lief darauf hinaus sich dafür zu entschuldigen, dass wir Frauen waren, so dass wir vor jeder Art von Glamour oder Attraktivität auf der Bühne zurückschreckten.“

Fanny spielte in den frühen 1970ern eine wichtige Rolle in der Rockmusik-Szene und die Band war Wegbereiterin für viele andere Frauenbands, die in den folgenden Jahrzehnten berühmt wurden. Der Preis war allerdings hoch; die Band löste sich nach und nach zwischen 1973 und 1975 auf.

June Millington verließ Fanny nach dem vierten gemeinsamen Album 1973:

„Ich hatte einen Nervenzusammenbruch. Wir waren vier Jahre nonstop auf Tournee und führten ein sehr abgeschottetes Leben. Ich konnte den Druck nicht aushalten, die erste Gitarristin weit und breit zu sein. Es war entmutigend zu merken, dass der einzige Punkt den wir machen konnten darin bestand, dass wir genauso spielen konnten wie Jungs.“

June Millington in der nach-Fanny-Zeit

June und Jean Millington machten später weiter gemeinsam Musik, zuletzt in der Gruppe Slammin‘ Babes. June machte sich auch als Produzentin einen Namen, sie arbeitete für Künstlerinnen wie Holly Near, Chris Williamson und Bitch and Animal.

2007 gab es eine Wiedervereinigung der Millington Schwestern mit Alice de Buhr am Berklee College of Music, dort erhielten die Musikerinnen den Rockrgrl Women Of Valor award für ihre Verdienste. Präsentiert wurde die Show von Blues-Größe Toshi Reagon.

Seit 1986 betreibt June Millington gemeinsam mit ihrer Partnerin Ann Hackler das Institute for the Musical Arts, zunächst in einer alten Meierei in Nord-Kalifornien und seit 2001 in Massachusetts.

June Millington 2009 bei einem Workshop im Institute for the Musical Arts (am Bass Jean Millington, das Schlagzeug spielt Lee Madeloni):

 

Das Institut besteht als Nonprofit-Organisation und hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen und Mädchen im Musikgeschäft zu unterstützen. Es versteht sich als Teil der Frauenbewegung, orientiert sich an den

„Visionen, Bedürfnissen und Belangen von Frauen mit einer Vielzahl von Hintergründen und entstand aus der Notwendigkeit uns selbst und uns gegenseitig zu hegen.“

First Time In A Long Time: die CD-Anthologie

Fanny: First Time In A Long Time, umfasst alle 4 Studioalben und ein paar Extras, 2002

2002 ist eine Gesamtausgabe der Fanny-Alben erschienen, die inzwischen als MP3-Download bei Amazon für gut 37 Euro für alle 90 Stücke zu haben ist.

Fanny: First Time in A Long Time, The Reprise Recordings, Rhino Handmade, RHM27734, September 2002

MP3-Download über Konnys Lesbenseiten, lesben.org, bei Amazon kaufen: First Time In A Long Time: The Reprise Recordings

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Links und Quellen:

  • Fanny Homepage fannyrocks.com (daher stammen auch die Zitate von June Millington und Nickey Barcley)
  • The Institute for the Musical Arts, ima.org (daher stammt das Zitat zum Ziel des Instituts)
  • YouTube Kanal des Institute for the Musical Arts
  • Slammin‘ Babes Website, slamminbabes.com
  • ROCKRGRL Honors Fanny, Legendary Female Band, at Berklee, 25. Januar 2007, berklee.edu