Stupsnäschen, zartbraun schimmernder Teint und Rehaugen – das soll Birgit Prinz sein? Ja, wenn es nach Barbie-Hersteller Mattel geht, berichtet ZEIT online und zitiert Stephanie Wegener, Sprecherin des Spielzeugfabrikanten:

„Mehr als eine halbe Million Frauen spielen in Deutschland derzeit Fußball in einem Verein. Vorbildern wie Birgit Prinz ist es zu verdanken, dass Mädchen sich diesen Jungensport mehr und mehr erschließen.“

Zur Premiere einer neuen Barbie wurde eine besondere Promi-Puppe im Birgit-Prinz-Stil vorgestellt. In den nächsten Wochen soll dann, pünktlich zur Frauen-Fußball-WM, eine nicht personifizierte Barbie im Fußball-Trikot erscheinen.

Die Managerein der Frauenfußball-Nationalmannschaft Doris Fritschen wird von ZEIT online zitiert mit den Worten:

„Die Fußballbarbie ist ein echtes Frauenprodukt. Wie gemacht für unsere Kerngruppe.“

1998 ist die damalige Fußball-Barbie noch in etwas heterosexueller Anmutung erschienen. Das muss ja nicht so bleiben. Die neue Barbie soll im Rahmen der Reihe „Ich wäre gern … “ (englisch „I can be„) herauskommen, in der Barbie beispielsweise auch als EDV-Fachfrau oder Delfin-Trainerin erhältlich ist – beides Berufe, die bei der Berufswahl von jungen Lesben ganz vorn stehen, wie aus der neuesten Statistik des Genderbundesamtes für Berufsfragen hervorgeht.

Nun ist ZEIT online nicht gerade ein lesbisches Zentralorgan, jedenfalls noch nicht, und deshalb haben wir uns umgehört, um herauszufinden, ob auch im Fall der Fußball-Barbie möglicherweise mehr dahinter steckt. Immerhin ist es ein offenes Geheimnis, dass die eine oder andere Fußball-Nationalspielerin lesbisch ist – in Deutschland ebenso wie in anderen Staaten. Und, ganz im Ernst, spätestens bei der Delfin-Trainerin sollte doch mehr als eine Alarmglocke schrillen!

Lesbische Ressourcen nutzen: Expertinnen-Brainstorming bei L-talk

L-talk holt sich Rat bei Frauen, die es wissen müssen, direkt  aus dem L-talk Team:

„Eine Fußball-Barbie ist der ideale Einstieg in den Zielgruppenmarkt lesbischer Mädchen. Da liegt jede Menge Kaufkraft verborgen, weil das durchweg selbstbewusste Kinder und Jugendliche sind, die wissen was sie wollen. Und zwei Einkommen von toughen Frauen macht eine ganze Menge Barbies für die Jungen und Mädchen, die mit zwei Müttern aufwachsen“,

sagt L-talk Finanzexpertin Joni.T mit Blick auf die lesbische Ökonomie.

„Barbie als positive Identifikationsfigur ist gerade für Regenbogenfamilien wichtig. Kinder in Regenbogenfamilien werden, das ist durch Studien belegt, sehr gut gefördert und sind in ihrer Geschlechterrollenidentität gefestigt. Ich werde meinen Einfluss als Rezensentin nutzen und den Vorschlag mit einer speziellen L-Barbie für Regenbogenfamilien prominent platzieren“,

bietet L-talk Rezensentin Nicole B. spontan an; sie hat gerade vor wenigen Tagen Stephanie Gerlachs Handbuch für Regenbogenfamilien auf L-talk rezensiert.

L-talk Computerspezialistin Konny rät zur Eile:

„Die Barbie-Hersteller sollten jetzt nicht zögern und schnell eine Kollektion lesbischer Barbie-Charaktere auf den Markt bringen. Als EDV-Fachfrau bin ich zwar schon prominent in der Collection vertreten, jedoch könnte ich mir auch eine Handwerkerinnen-Ausgabe von Barbie in kleidsamer Blaufrau vorstellen, wie sie eine niederländische Gruppe mit „Lesbo-Barbie“ vor einigen Jahren bereits präsentiert hatte.“

Für die Frau für die Paragraphen bei L-talk, stehen die juristischen Implikationen im Mittelpunkt:

„Vor Bundesverfassungsgericht und Europäischem Gerichtshof stehen einige Verfahren an, die die Emanzipation von bisher als unbelebt verstandenen Objekten zum Inhalt haben. Wenn eine lesbische Barbie noch vor den realen LGBTQ Personen volle Bürgerrechte, Reisefreiheit und Zugang zur bürgerlichen Ehe bekäme, wäre das eine juristische Sensation. Ich wäre stolz, so ein Verfahren  durch die Instanzen zu vertreten – notfalls bis zum Internationalen Gerichtshof in Den Haag.“

Kein Widerspruch also zu den Plänen des Spielzeugherstellers Mattel für eine Fußball-Barbie und viele Vorstellungen für eine Weiterentwicklung der neuen, starken Barbies.

Konkrete nächste Schritte:

  • Unterschriftensammlung für eine Petition an den Barbie-Hersteller Mattel mit der Forderung einer gendergerechten Barbie, die lesbische Lebensentwürfe wertschätzend in ihre Performance integriert.
  • Die Grünen sind auch mit unseren Stimmen so stark geworden. Wir fordern Rechte auf lesbische Barbies in allen künftigen grünen Wahlprogrammen!
  • Für einen Musterprozess ist viel Geld nötig – und zwar kein Spielgeld. Wenn du konkret etwas beitragen möchtest, spende einfach an den lesbischen Emanzipationsfonds deines Vertrauens.
  • Spät ist nicht zu spät: Der Lesben- und Schwulenverband sollte auf seinem Bundesverbandstag dieses Wochenende einen Eil-Antrag zur Aufnahme von Barbie in Vereinsnamen und -satzung aufnehmen.
  • Macht lesbische Barbies sichtbar! Barbie sollte jede Lesbe überall hin begleiten: in den Lesbensportverein, zur Bio-Bäckerei, ins Büro und zur Therapie!

L-talk ist bekannt für gute, fundierte Recherche, aber auch uns entgeht durchaus das eine oder andere Detail. Alle wirklich relevanten Hintergrundinformationen zur lesbischen Barbie-Edition gibt es hier.