Nach fast zwanzig Jahren hat sich endlich ein Verlag getraut, ein Buch der Trans* und Queer Ikone Amerikas, Kate Bornstein ins Deutsche zu übertragen. Eden Books bringt „A Queer and Pleasant Danger?“ Kate Bornsteins Biografie auf Deutsch heraus.

Der deutsche Titel von „A Queer and Pleasant Danger?“ (mit Fragezeichen) „Ein schädlicher Einfluss“1), (ohne Fragezeichen) verstehe ich nicht. Was ist damit gemeint? Wer oder was ist der schädliche Einfluss? Ist es Kate? Ist es ihr Trans* sein? Ist es ihre Zeit bei den Scientologen? (Ja sie hat 12 Jahre bei den Scientologen verbracht).

Ich finde der Original Titel: „A Queer and Pleasant Danger?“, (mit Fragezeichen), wird dieser äußerst witzig geschriebenen Biographie, in allem weitaus gerechter. In Tonfall, in Ironie, vor allem in Authentizität, in dem was Kate uns in diesem Buch erzählt, aus dieser Welt jenseits der Heteronormativität, jenseits der nach Außen dargestellten Matrix unserer Gesellschaft.

Und wenn man schon von schlechtem Einfluss im Titel redet, wo bleibt das Fragezeichen des Original Titels, welcher das „schädliche“ dann in Frage stellt?


Nun genug mit dem Gemeckere. Lest dieses Buch, die Biographie eines mutigen Mädchens. (So nennt sie sich selber, wenn sie im Buch von sich redet). Es ist unter der Flut der Trans Biographien, ein großartiges und eins der wichtigsten. Denn hier erzählt jemand, ohne etwas schön zu reden und da spricht jemand, die weiß dass es nicht nur ein Trans* gibt, sondern viele Trans* Wege, die alle gegangen werden müssen und sie weiß auch wo sie hinführen und gerade deswegen gegangen werden müssen:

„Auf all meinen Reisen habe ich herausgefunden, dass alle Pfade des Lebens ins Nichts führen: Man kann also ruhig den nehmen, der am meisten Herz und Spaß bietet“.

Sagt sie auf Seite 342 sozusagen zum Schluss und spricht dabei ihre Tochter Jessica an. Die Tochter, welche die Scientology ihr nahm. Nachdem sie diese nach 12 Jahren verlies, um das Mädchen zu werden was sie immer sein wollte.

Sie ist viele Wege gegangen und ist diese Wege mit Herz gegangen. Hat dabei auch zeitweise Lady Death in die Augen geschaut. Wie ich Lady Death kenne, hatte diese ihr auch gesagt, dass alle Wege in der Leere enden und dass wir deswegen keine Angst auf unseren Wegen haben sollten.

Kate ist so Queer…as Queer can be. Und sie ist Weise wie Pippi Langstrumpf. Tanzt auf niemandes Hochzeit, lässt sich von niemanden vereinbaren, weder von konservativen Transsexuellen… noch von den radikalen Lesben und gewinnt damit dann am Ende ihrer aller Respekt.

Lebt ihr Maso sein wie ihr jüdisch sein. Alles steht gleichzeitig nebeneinander und nichts schließt sich aus. Das Buch ist voll von den wahnsinnigsten Stories aus der queeren Welt. Ob es ihre Liebe zu ihrer Freundin ist, die sich dann entschließt, sich einen männlichen Körper zuzulegen und sie nicht mehr weiß ob sie nun Hetero oder noch Lesbisch oder sowieso Hetero da sie doch mal ein Junge war, alles Fragen die, die hiesige Transsexuellen Szene zu Verzweiflung treiben muss, die amerikanische hat sie ja eine zeitlang. Und dies so sehr, dass diese, ihr Trans* sein in Zweifel zog.

Kate Bornstein weiß, dass alles Leben ein werden ist. Das Leben überhaupt, der Prozess des Werdens ist. Und dann am Ende, das Gewordene wieder Heimkehrt ins Ungewordene um dann wieder zu Werden. Das ist was Kate Bornstein uns mit ihrer Biographie sagen will. Und das diese Phase des Werdens letztlich auch die Verwirklichung unserer Freiheit ist. Wie sie ja auch verdeutlicht, dass die Lehre Ron L. Hubbards ja nichts anderes ist als ein missverstandene Inkarnationslehre.[ref]

Ron L. Hubbards Quelle Wikipedia:

Schon vor seinem Tod ist der Scientology-Gründer quasi zu einer mythischen Figur aufgestiegen. Er sei der jüngste Elite-Pfadfinder der Vereinigten Staaten, Leiter und Organisator vieler Forschungsexpeditionen gewesen, habe als einer der besten Segelflieger des Landes gegolten, sei ein tollkühner Kunstflieger und Erforscher der Luftfahrtgeschichte gewesen. Daneben habe er Universitätszeitschriften herausgegeben, habe Literaturpreise erhalten und sei anerkannter Fotograf und bedeutender Drehbuchautor in Hollywood gewesen. Heute verfügt Scientology über ein Büro für Hubbard in jeder seiner Kirchen und Organisationen, welches dauerhaft leersteht.[/ref]

Letztlich hat sie dann ja auch noch bei einem Seminar des Dalai Lamas das Bodhisattva Gelübde3) abgelegt und damit bekennt sie sich auch noch zum Buddhismus. Was ja den Vorteil hat, dass man auch jede andere Religion und nicht Religion praktizieren kann, also auch Judentum und Scientologie.

Für mich würde ich sagen, ist Kate ein Bodhisattva die lebende Verkörperung des Jizo Bodhisattva der Schutzheilige_n aller Queeren Lebewesen und ungeborenen und abgetrieben Kinder.[ref]

Bodhisattva/Jizo Bodhisattva Quelle Wikipedia
Unterschieden wird zwischen irdischen und überirdischen Bodhisattvas. Erstere sind im Weltleben stehende Menschen, die von Güte (maitri) und Mitgefühl (karuna) getragen, ihre Verdienste zum Wohle aller mitfühlenden Wesen (Menschen und Tiere) einsetzen. Letztere sind überirdische (transzendente) Wesenheiten, die in gleicher Weise den Wesen beistehen und ihnen auf dem Pfad der Befreiung behilflich sind.

Bodhisattava Gelübde:

So lange der Raum besteht,
und solange es fühlende Wesen gibt,
solange möge auch ich verweilen,
um das Leid der Welt zu beseitigen.

Jizo Bodhisattva:  Die Jiz?-Statuen zeigen einen buddhistischen Mönch mit kahl geschorenem Schädel, der in der Hand einen Pilgerstab hält. Oft wird Jiz? auch als Kind dargestellt. Jizo war ursprünglich so erzählt die Legende weiblichen Geschlechts. Um ihre Mutter zu retten stieg sie in die Hölle hinab und erreichte mit ihrem Gelübde solange in der Hölle zu sein bis wir alle befreit, den Bodhisattva Status und befreite so ihre Mutter.[/ref]

Ach ja und noch eine Weisheit die sie zum Schluss noch ihrer Tochter mit auf den Weg gibt. Eine Weisheit die wir alle uns hinter die Ohren schreiben sollten:

„Ficke nie jemanden, der du nicht sein wollen würdest.“

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