L-Branding gibt es nach „L-Word“ seit ein paar Jahren auch hierzulande: L-Mag, L-Forum.de, l-talk.de, L-Beach… In ihrem Beitrag „L wie lesbisch“ für weird. Das Stadtmagazin für lesbische Frauen in Bielefeld schreibt Christine Stonat: „Nicht überall, wo ein „L“ vor steht, ist lesbisch drin! Es könnte aber sein …

Um richtig zweideutig zu sein, sollte sich „Hamburgs Magazin für Lesben“, die escape, also umbenennen in „L-escape“?

Tägliches Handeln vieler

Was die Unsichtbarkeit betrifft, bin ich überzeugt, dass das mehr mit dem täglichen Handeln vieler einzelner Lesben zu tun hat als mit Begriffen.“ – meinte Joni T. in einem Kommentar hier bei l-talk.de zu meinem Artikel vom 20.1.2011 „ganz offiziell ganz ohne Lesben am 8. März?

Mal sehen, was die Kombi aus Begreifen und Handeln am 8. März … öh, hätte ergeben können:

In einem der Wortbeiträge der Missy-Redakteurin und -Herausgeberin Chris Köver, die erfreulicherweise für die Podiumsdiskussion am 8. März auf der „Senatsbank“ der Hamburger Bürger*nnenschaft Platz genommen hatte, kam – ebenso erfreulicherweise – das Wort „heterosexuell“ vor. Für mich waren dadurch prompt ganz viele Lesben im Bild. Warum? Weil die scheinbare Eindeutigkeit derjenigen, über die noch und nöcher als „Frauen“ geredet wurde, damit in Frage gestellt war. Plötzlich erschienen Frauen als „unter anderem heterosexuell“ und damit heterosexuelle Frauen als relativ, als nur ein Teil der „Frauen“.

Gerade nicht-heterosexuelle Frauen wurden durch das Wort „heterosexuell“ erst sichtbar und hörbar. Wieso? Weil von Lesben oder intersexuellen oder bisexuellen oder Trans-Frauen an diesem 8. März bis dahin und auch später in dieser Veranstaltung bei vollem Haus die Rede so gar nicht gewesen war. Szenenapplaus an sich gab es viel – von wem für wessen Inhalte?

Das Mikro im Plenarsaal

Und jetzt zum Handeln, virtuell und nachträglich:

Das Saalmikro hätte eine ergreifen können und fragen, welche der Anwesenden sich mit „heterosexuell“ gemeint fühlt. (Ich stand recht nah dran, hab’s aber nicht gemacht, weil ich da noch nicht auf diese Idee gekommen war.) Oder ob sich mal diejenigen zu erkennen geben, bitte, die nicht heterosexuell leben? Ganz politisch unkorrekt wäre es wahrscheinlich gewesen zu sagen: „Alle Lesben hier im Raum geben jetzt bitte mal ein Handzeichen.“ Nach meiner Einschätzung wäre bei irgendeiner dieser Fragen als Antwort zu sehen gewesen, dass sich gut 60% der Anwesenden mit „heterosexuell“ nicht gemeint fühlen.

Mein Plädoyer lautet: Erweitern wir mal als Erstes das Repertoire offen lesbischen Handelns und zweitens das lesbische Alphabet: Im Alphabet nutzen wir in einem ersten Schritt statt „L-“ auch „h…“, selbst wenn sich h-Wörter auf den ersten Blick so gar nicht als Versteck zu eignen scheinen… und dann kommen peu à peu auch alle anderen Buchstaben eines Wortanfangs an die Reihe. Und bei ganzen Wörtern verwenden wir einfach „Lesben“.

Weitere Vorschläge?

Quellen und Links: