Im Zuge der Mädchenmannschaftswoche befassen wir, Joni.T und Konny, uns heute mit Lückenangelegenheiten, mit medialer Präsenz und damit, wie sich mädchenmannschaftsmäßig gegensteuern lässt.

Mädchenmannschaft hat unbestritten große Verdienste in Sachen Feminismus erworben. Ungeachtet dessen dürfte es zahllose junge Feministinnen geben, die noch nie von Mädchenmannschaft gehört haben oder mit ihr zu tun hatten – ebenso wie es politisch aktive Lesben gibt, denen lesben.org nie begegnet ist. Macht aber nichts. 

Wer ein Projekt wie Mädchenmannschaft … oder auch lesben.org … initiiert, ist viel und oft im Kontakt mit Menschen, die das Projekt kennen, die sich darauf beziehen, Anteil nehmen, reflektieren. Das birgt die Möglichkeit, sehr intensiv um sich selbst zu kreisen. Dass dort draußen noch eine ganze Reihe anderer Welten ihre Bahnen ziehen, jede von ihnen mit eigenen, unabhängigen Bezugsgrößen, gerät in einer solchen Dynamik mehr und mehr aus dem Fokus. Das bewirkt, dass es leicht ist, und fast unvermeidlich, sich erstmal als Elite zu fühlen, als Zentrum von etwas Wichtigem. Doof ist das nicht, man ist ja schließlich Vorreiterin und Themen-Setzerin, an der andere sich orientieren. Der Umgang mit der Bewunderung anderer Menschen will gelernt sein, aber nicht nur das: Der Erfolg macht diesen anderen auch Angst. Angst, weil die Vorreiterin Räume einnimmt, Themen setzt und Kreise im Szene-übergreifenden Diskurs zieht. Angst, nicht mehr vorzukommen, an den Rand gedrängt, marginalisiert zu werden. Die Wertschätzung für andere Projekte, andere Gedanken, andere Argumentationsstränge, andere Herangehensweisen bleibt bei Erfolgsprojekten allzuoft auf der Strecke. Nicht nur das: Die eigene, öffentlich selbst- und fremd-zelebrierte Bedeutung verstellt auch außen Stehenden den Blick auf das andere, das da ebenfalls noch ist oder sein könnte. Wer auch immer eine Lücke füllt, nimmt anderen die Möglichkeit, ebendiese Lücke auch zu füllen – das gilt für öffentliche sichtbare Leerstände ebenso wie für den selbst geschaffenen Freiraum.

Mädchenmannschaft hat diese Zirkelbewegungen offenbar erkannt und steuert mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen gegen an:

Da sind die Gastautorinnen, die  gern einen anderen Blick auf Themen einnehmen sollten, sogar vielleicht ganz andere Themen besetzen und außerdem, wenn’s gut läuft, Mädchenmannschaft reflektieren. Mädchenmannschaftsspielerinnen sind häufig unterwegs auf Veranstaltungen, Camps, Konferenzen, von denen Eindrücke zurückkommen. Sie versuchen viele spannende Ansätze selbst aufzugreifen und über Mädchenmannschaft hinaus aktiv zu sein, wie zum Beispiel in den Slutwalk-Bewegungen, queeren Diskursen und vielem mehr. Ähnlich funktioniert die niedrigschwellige Öffnung nach außen mit der Facebook Seite, die darüber hinaus Mädchenfans erreicht, die nie genug Interesse aufbringen würden, ganze klug geschriebene Blogbeiträge zu lesen, ein Blog per RSS zu abonnieren oder sich gar an einer intellektuellen Diskussion über dies oder jenes zu beteiligen. Nicht zuletzt ist da noch Mädchenmannschaft e.V., der Verein, der in der Förderung von mädchenmannschaftskompatibler Kultur leistet, was ein Blog nicht leisten kann und soll.

Alles in allem also eine runde Sache – wäre da nicht das Problem, dass mit diesen umfänglichen Versuchen das Risiko, ein  ganzes Themenspektrum zu dominieren, massiv verschärft wird: Dadurch dass die Mädchenmannschaft all diese Partizipation ganz fantastisch organisiert, bestimmt sie ein noch größeres Stück des Diskurses. Ob sich das auflösen lässt? Ob anders Gegensteuern funktionieren könnte? Selbst wenn: Warum sollte sie das tun? Von der Lückenkonkurrenz zum Lückenschluss zu kommen ist jedenfalls nicht die Lösung. Spannender dagegen die Frage des Umgangs mit Machtfülle in Folge von Omnipräsenz. Und das wäre ein schönes Diskussionsthema für den Mädchenmannschaftsgeburtstag am 22. September.

Links und Quellen: