Am 27. August 2008 starb Del Martin, eine Pionierin der FrauenLesbenBewegung, im Alter von 87 Jahren in San Francisco.

Sie wurde am 5. Mai 1921 geboren. Gemeinsam mit ihrer Partnerin Phyllis Ann Lyon, Barbara Gittings und fünf weiteren Frauen gründete Del Martin 1955 die erste landesweite lesbische Organisation in den USA, die Daughters of Bilitis (DOB).

Sie waren Herausgeberinnen der DOB-Zeitschrift The Ladder. Am 12. Februar 2004 heirateten Del Martin und Phyllis Lyon in San Francisco. Sie waren das erste legal verheiratete lesbische Paar in den USA. Sie blieben verheiratet, bis die kalifornischen Gerichte der Stadt San Francisco wenige Wochen später verboten, gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen.

Und am 16. Juni 2008 waren Del Martin und Phyllis Lyon das erste Paar, das nach dem neuen Recht ganz offiziell in San Francisco die Ehe schloss. L-talk berichtete (mit Fotos).

Die von Del Martin und Phyllis Lyon maßgeblich mit gegründeten Daughters of Bilitis legten den Grundstein für die spätere FrauenLesbenBewegung. DOB verstanden sich auch als Alternative zur Bar-Szene. In den 1950ern gab es wenig Treffpunkte für Lesben außerhalb des Sub. 1958 hatten die Daughters of Bilitis bereits Ablegerinnen in Los Angeles, New York und diversen anderen Städten. Sie hatten regional unterschiedliche Schwerpunkte, umfassten aber Diskussionsgruppen, Veranstaltungen, politische Aktivitäten, Forschung und Zusammenarbeit mit schwulen Gruppen wie der Mattachine Society.

Die Daughters of Bilitis waren mit dem Ziel gegründet worden, im heterosexuellen Mainstream Akzeptanz für Lesben zu schaffen. In den 1970ern, nach Stonewall und mit der neuen Frauenbewegung kamen zunehmend radikal feministische Frauen hinzu. Der Richtungsstreit führte zur Marginalisierung und schließlich zur Auflösung der Daughters of Bilitis.

Mit der Gründung des Magazins „The Ladder“ 1956, eines Magazins von, für und über Lesben, durchbrachen Martin und Lyon endlich die Isolation, die lesbisches Leben bis dahin geprägt hatte – und legten damit einen Grundstein für die lesbischen Communities, die wir seitdem kennen.

Martin und Lyon waren vielfältig engagiert: In der Friedensbewegung, für Bürgerrechte, gegen Armut, für von HIV / Aids Betroffene, für Frauengesundheit und in der Frauenbewegung. 1964 nahmen sie an einer Konferenz über Religion und Homosexualität teil, die ihrerseits den Beginn der Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender in anderen Bewegungen markierte.

1972 veröffentlichten sie mit „Lesbian/Woman“ ein Bahn brechendes Buch, das eines der einflussreichsten der neuen FrauenLesbenBewegung wurde. „Lesbian/Woman“ richtete sich an eine neue, eine hungrige Generation von Frauen, die ihre eigene sexuelle Befreiung gestalten wollten. Martin war eine Vorkämpferin gegen Gewalt gegen Frauen, wieder bahnbrechend mit ihrem Buch „Battered Wives“ von 1976, mit dem sie eine Bewegung gegen häusliche Gewalt anführte, die die Gründung der ersten Frauenhäuser zur Folge hatte.

Die „Lyon-Martin Health Services“ wurden 1979 in San Francisco gegründet und Phyllis Lyon und Del Martin zu Ehren benannt. Sie sind die einzige unabhängige kalifornische Klinik, die ihre Gesundheitsangebote speziell auf lesbische und bisexuelle Frauen ausrichtet.
1995 waren Lyon und Martin als Expertinnen für die Konferenz des Weißen Hauses über Alter benannt. Sie engagierten sich für „Old Lesbians Organizing for Change“. Über ihre Leben drehte Joan E. Biren 2003 den ausgezeichneten Dokumentarfilm “No Secrets Anymore: The Times of Del Martin and Phyllis Lyon”.

Mit Del Martin verliert die FrauenLesbenBewegung eine ihrer Heldinnen. Del Martin hinterlässt ihre Ehefrau Phyllis Lyon, mit der sie 55 Jahre lang liiert war, eine Tochter sowie zwei Enkel.