Auf dem Weg nach München. Umsteigen mit Rucksack, Tasche und Freundin. Sie hat einen Koffer mit Rädern, zieht an mir vorbei, stutzt und fragt: „Soll ich Dir helfen, bei der Tasche?“

Sie kommt selber drauf, „Oder ist das uncool?“ Zu zweit eine Tasche tragen, das ist vollkommen uncool, doziere ich. Schließlich zeigt es, dass keine der beiden in der Lage ist, die Tasche alleine zu tragen. Schon eher zu dritt, das ist dann zwar albern, aber nicht uncool. Ich bin mir so sicher, dass ich aus lauter Übermut beginne über Ausnahmen nachzudenken, aber es kommt keine Frage dazu. Stattdessen schlägt sie vor, ich solle ein Buch schreiben und anderen erklären, wie es geht, cool zu sein: „Cool in jeder Lebenslage.“ Das scheitert schon am Titel. Lebenslage ist ein extrem uncooler Begriff.

Warum tragen so viele Frauen so gerne etwas gemeinsam? Taschen, Koffer und Umzugskisten. Stets dieses freundlich uncoole Ansinnen. Dagegen könnte ich vermutlich an wenigen Fingern abzählen, wie oft mir eine Frau angeboten hat, mir meine Tasche abzunehmen. Ich komme nicht zum Zählen, denn sie geht zum Generalangriff über: Sie habe es vollkommen satt, dieses Gehabe von unbeteiligt sein. Ein Alt-Herren-Ideal. Ihr sei wichtig, sich von Vorstellungen frei zu machen. Wer souverän ist, könne auch Unterstützung annehmen. Ob es mir denn vorrangig wichtig ist, was andere denken. „Man muss auch alleine cool sein“, sage ich. „Und was soll das Ganze? Was ist der Zweck?“ fragt sie. Es gibt keinen Zweck, versuche ich zu sagen, aber sie ist schon in ihr neues Argument verliebt: „Überhaupt steht das Verhältnis von Energie und Ertrag in keinem Verhältnis“. Coolness sei vollkommen uneffektiv. „Darauf kommt es nicht an.“ sage ich.

Der Zug fährt ein. Vielleicht hätte ich ihr sagen sollen, cool-sein ist eine Art Ehrenkodex. Es beginnt damit, die eigene Tasche nur so voll zu packen, dass sie eine andere alleine tragen kann. Man kann schließlich nie wissen, vielleicht fragt ja mal eine.