Lateinamerikanisches Flair ist nicht mein Ding. Tango auch nicht. Wie gut, dass ich im letzten Jahr als pflichtbewusste Rezensentin dennoch zum „Tango mit Inés“ gegriffen habe – so konnte ich mich eines Besseren besinnen und mich jetzt mit erwartungsvoller Vorfreude auf die Fortsetzung stürzen…

Elf Monate war sie außer Landes, hat versucht, auf Gran Canaria das Geheimnis um ihre längst verstorbene Tante zu lüften, etwas über ihr Leben in Erfahrung zu bringen, herauszufinden, warum die begabte Malerin keine Bilder hinterlassen hat. Mit Hilfe von Inés, die sie dort kennenlernte, geriet sie auf eine heiße Spur – und in eine heiße Affäre. Wieder zurück in Buenos Aires, freut Elena sich auf einen Neubeginn mit ihrer langjährigen Lebensgefährtin Caridad; ein kurzes Vergnügen, denn diese verkündet ihr prompt das Ende der Beziehung. 

Bald erlebt sie die nächste Enttäuschung: Das erhoffte Wiedersehen mit Inés lässt länger auf sich warten als erhofft und verläuft so gar nicht nach Wunsch. Inés, die eine Kunsthistorikerin nach Buenos Aires begleitet, welche dort eine Ausstellung mit neu entdeckten Werken von Elenas Tante organisieren will, verhält sich ausgesprochen distanziert, ist zwar wohl noch verliebt (was sie Elena nicht spüren lässt), aber auch verletzt, verunsichert und verärgert – und hat kurz nach ihrer Ankunft in Argentinien eine faszinierende Frau kennengelernt: Caridad, Elenas Ex …
Es kommt zu weiteren unvermuteten Begegnungen, denn die auf Gran Canaria begonnene Spurensuche hat zwar zu beachtlichen Erfolgen geführt, ist aber noch nicht beendet … Ob sich die offenen Fragen noch beantworten lassen?

Gekonnt, spannend und begeisternd verknüpft Bettina Isabel Rocha in „Buenos Aires, mi amor“ die Suche nach dem Gestern mit dem Hoffen auf ein Morgen, ohne dabei das Heute aus den Augen zu verlieren. Die argentinische Hauptstadt dient nicht als bloße Kulisse, sondern wird zum lebendigen Umfeld, das wie nebenbei ein Gespür für Land, Leute, Lebensart – und natürlich Tangoleidenschaft  – vermittelt, während die Protagonistinnen mit dem Schlagen von Brücken beschäftigt sind. Nicht von vornherein sicher sein zu können, ob ihre Bemühungen, Fortschritte und Rückschläge letztlich den gewünschten Erfolg bringen werden, schafft einen zusätzlichen Anreiz, sich flott durch das Buch zu lesen; lasst Euch also überraschen …

Buenos Aires, mi amor
Roman von Bettina Isabel Rocha
Krug & Schadenberg, 2011

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