Wenn, wie es gerade mal wieder durch die Medien geht, sich so verhält, dass:

… lesbische Frauen hirnmäßig ähnlich funktionieren wie hetero-Männer (asymmetrisch) und

… hetera-Frauen hirnmäßig so funktionieren wie schwule Männer (tendenziell symmetrisch)

– was anderes bedeutet das für den LGBT-Alltag, als dass manche Heteros einen guten Geschmack haben und viele Schwule Tunten sind? Da wird ja viel herumspekuliert und es ist gar nicht so einfach, sich dem zu entziehen. Aktuell war es das Stockholmer Karolinska Institutet, das herausgefunden hat, dass die einen symmetrisch sind und die anderen nicht oder umgekehrt.

Ich finde sowas schon interessant, aber das liegt nicht an diesem Thema, sondern an einem pathologischen Interesse an meiner Umwelt insgesamt. Es war auch irgendwie superspannend, als es den Medienhype auf die schwulen Pinguine gab – das wurde übrigens auch von einer skandinavischen Quelle ausgelöst, seinerzeit war’s der Zoo in Olso. Und die ganzen Theorien darüber, wieso eine lesbisch wird und die andere nicht, die sind irgendwie auch ganz interessant.

Aber letztlich: Warum genießen wir es nicht einfach?
Natürlich ist das irgendwie hetera- und tuntenfeindlich, sowas überhaupt zu veröffentlichen. Wer will schon gern symmetrisch sein? Das hat ja irgendwie etwas ein- oder gleichförmiges, etwas langweiliges. Aber ist ja auch irgendwie klassisch. Schwierig zu entscheiden (Heteras und schwule Männer können sich übrigens grundsätzlich nicht entscheiden, näheres hierzu s.u.). 

Und vor allem: Wir haben noch nicht mal irgendwas von dieser Erkenntnis, denn, selbst wenn wir wissen, dass diese Symmetrie existiert – die gehen ja ganz unterschiedlich damit um! Nicht, dass hier irgendwer Vorurteile hätte oder Stereotypen anhängen würde ;-)))
Aber es muss schon mal erlaubt sein, Unterschiede und Gleichheiten zwischen Heteras und (tuntigen) Schwulen zu suchen. Also: Bei manchen ist das angeboren. Bei manchen (ganz wenigen) ist das Erziehungssache. Und bei den meisten hängt das von verschiedenen Faktoren ab – vor, während und nach der Geburt, wobei letzteres lebenslang zu verstehen ist und vorwiegend nicht genauer zu definierende Umwelteinflüsse umfasst. Kurz gesagt: Das ist ganz unterschiedlich. Das war keine wirkliche Überraschung. Beide ziehen sich gern schick an – das könnte was mit Symmetrie zu tun haben. Beide reden gern über „ihre“ Männer – Wegen der Symmetrie? Hmmm.

Und dann noch?

Da ist es schon leichter, Ähnlichkeiten zwischen den (schwulen) Pinguinen und (schwulen) Männern zu finden, denn erstere sehen pausenlos so aus, als seien sie fertig für einen Opernbesuch gekleidet, den letzte bekanntlich immer für das höchste kulturelle Ereignis unter der Regenbogenflagge halten. Und bei den Flamingos muss man gar nicht erst fragen. Neulich las ich (die Frage, warum Menschen lesbisch werden, scheint für manche größere Bedeutung zu haben als die nach dem richtigen Weg ins Himmelreich, aber so ist die moderne säkuläre Gesellschaft) irgendwo, dass es eine neue, Bahn brechende Erkenntnis darüber gibt, warum … und warum andere nicht. Warum soll bei so einer Beweislage noch irgendwer ernsthaft behaupten, Menschen können nix dafür, wenn sie lesbisch oder schwul werden und dürfen deshalb nicht diskriminiert werden? Wie ist das mit den anderen? Die, die potenziell was dafür können, wegen der falschen Umwelt, die dürfen wir dann nach Herzenslust mobben?

Nö. So nicht.

Ich finde: Wir gehen aus und schauen uns mal – je nach gewünschter Orientierung – paar passende moderne Kunstwerke an. Wir schauen bewundernd zu unserer Liebsten auf „Süße, bist du heute wieder asymmetrisch!“, ziehen unserem schwulen Kumpel die Krawatte gerade, damit er nicht auffällt und gehen macho-archaisch ein paar positive Umwelteinflüsse jagen. L-positive.

Bisschen off topic, aber nicht viel:
Hier ist noch ein Video von einem jungen Hirnforscher, der versucht, symmetrische Regenbogenfarben in seinem eigenen Hirn zu erzeugen. Nur damit ihr seht, zu welchen Anpassungsleistungen und falsch verstandener Konformität solch gefährliche Berichterstattung führen kann 🙂

Bilder:
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Schädel: Wikipedia. This work is free software; you can redistribute it or modify it under the terms of the CeCILL. The terms of the CeCILL license are available at www.cecill.info
Brautpaar: prosieben.de