I am what I am – und das ist auch so gut so. Oder vielleicht doch nicht?

Lebbar ist zumindest alles; nichts ist unmöglich – in der großen queeren Welt Berlins. Nur: Wie man und frau findet, was und wer sich findet, das ist so eine Sache …

Aller Offenheit zum Trotz ist Marte alles andere als begeistert, als ihre Liebste Tekgül von der Freundin einer Freundin um- und womöglich sogar abgeworben wird. Und auch der unkonventionelle, nicht(!)schwule Clemens, der mit Marte den Wunsch nach einem Kind Wirklichkeit werden lassen will, ist empört – dabei weiß er selbst, wie es sich anfühlt, „seiner Nächsten Weib zu begehren“. Seine WG-Mitbewohnerin Nicoletta sieht sich angesichts der Ent- und Verwicklungen vor echte Loyalitätskonflikte gestellt – und muss außerdem feststellen, dass ihre Gefühle für Tekgül, mit der sie vor Jahren eine Nacht verbracht hat, nicht gänzlich erkaltet sind. Dabei ist sie an dauerhaften Bindungen gar nicht interessiert; sie stürzt sich lieber ins schnelle Sexparty-Nachtleben, wo sie Liza kennenlernt – eine folgenreiche Begegnung … 

Die Einzigen in ihrer Clique, die eine unkomplizierte, ja fast schon idyllische Beziehung führen, sind Sandy und Manu. Aber vielleicht ist das Nichtvorhandensein von Problemen ja auch Anlass zur Sorge?
Nur eine scheint gegen den um sich greifenden amourösen Stress gänzlich gefeit, lässt ihn förmlich an ihrem Panzer abprallen: Fräulein Rottenmeier, die sich im Altpapier wohlfühlende WG-Schildkröte …

Grau ist alle (queere) Theorie, regenbogenbunt und unterhaltsam-lebendig die einfallsreiche Ausgestaltung in Tania Wittes Debütroman „beziehungsweise liebe“.

Von (S)ex und hopp bis Symbiose, von Bindungs- bis Verlustangst: Lebensentwürfen und ihrer Wandelbarkeit sind keine Grenzen gesetzt, und hier dürfen sie fast alle aufeinandertreffen und für viel Bewegung sorgen.
Neben dem bereits erwähnten Reptil verhelfen eine gute Portion Humor, ein augenzwinkernder Blick auf die Szene und nicht zuletzt auch ein außerordentlich kreativer Umgang mit der Sprache zu kurzweiligem Lesevergnügen, das der Autorin noch einiges an Arbeit bescheren dürfte – es verlangt nämlich nach einer Fortsetzung, „beziehungsweise noch mehr liebe“ …

beziehungsweise liebe
Roman von Tania Witte
Querverlag, 2011

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