Am 31. Juli 1932 wurde Barbara Gittings geboren. Sie wurde eine der bekanntesten frühen US-amerikanischen LGBT-Aktivistinnen.

Ihre selbst gestellte Lebensaufgabe war, lesbische Lebensweisen sichtbar zu machen. So engagierte sie sich lebenslang dafür, den Bestand lesbischer und schwuler Bücher in öffentlichen Bibliotheken zu erhöhen. Berühmt-berüchtigt war ihre Küss-Bude bei einer Tagung der American Library Association, in der sie unter einem Banner „Hug a Homosexual“ (Umarme eine/n Homosexuelle/n) eine Ecke „Nur für Frauen“ und eine Ecke „Nur für Männer“ aufbaute und, nachdem aus den Reihen der Kongress-TeilnehmerInnen niemand das Angebot nutzen wollte, vor laufenden TV-Kameras ein Kiss-In mit „Patience und Sarah„-Autorin Alma Routsong (Isabel Miller) veranstaltete.

Video: Ausschnitt aus der Dokumentation „Gay Pioneers“ , 2007

1965 nahm Gittings an den ersten lesbisch-schwulen Demonstrationen vor dem Weißen Haus, dem US Außenministerium und der Independence Hall in Philadelphia teil, um gegen die Diskriminierungspolitik der US Regierung gegen Homosexuelle zu demonstrieren. Sie trug ein Schild mit der Aufschrift „Sexual preference is irrelevant to federal employment“ (Sexuelle Orientierung spielt im Öffentlichen Dienst keine Rolle).

[Barbara Gittings and Randy Wi... Digital ID: 1605794. New York Public LibraryBild: Barbara Gittings, Streikposten, Independence Hall in Philadelphia–Photo von Kay Tobin Lahusen–4. Juli 1966; Bildquelle: The New York Public Library

Sie forderte gleiche Rechte statt Verständnis.

Barbara Gittings war gemeinsam mit Del Martin und Phyllis Ann Lyon eine Frau der ersten Stunde bei der 1955 gegründeten ersten landesweiten lesbischen Organisation in den USA, die Daughters of Bilitis (DOB). 1963 folgte sie Martin und Lyon als Herausgeberin der DOB-Zeitschrift The Ladder.

Nach New York City zog sie, um eine Niederlassung der Daughters of Bilitis aufzubauen. Es war soweit, nachdem knapp ein Dutzend Frauen auf ihre Zeitungsannonce geantwortet hatten: Sie hatte am 20. September 1958 „alle Frauen in der Region New York, die Interesse an der Gründung einer Gruppe der Daughters of Bilitis haben“ aufgefordert, sich zu melden.

1958 hatten die Daughters of Bilitis daher bereits Ablegerinnen in New York, Los Angeles, und diversen anderen Städten. Sie hatten regional unterschiedliche Schwerpunkte, umfassten aber Diskussionsgruppen, Veranstaltungen, politische Aktivitäten, Forschung und Zusammenarbeit mit schwulen Gruppen wie der Mattachine Society.

Aktivistin für stolze, selbstbewusste lesbische Identität

Gittings war weit stärker politisiert als andere Daughters of Bilitis-Frauen, besonders in Opposition zur radikalen und militanten Homophobie in den USA, zur Kriminalisierung, Psychiatrisierung und Marginalisierung homosexueller Lebensweisen. Während ihrer Herausgeberinnenschaft änderte The Ladder sich grundlegend. Beispielsweise erhielt die Zeitschrift den Untertitel A Lesbian Review, direkt auf der Titelseite, und die bisherigen Titelzeichnungen wurden durch Fotos echter, lebender Lesben ersetzt, die häufig von ihrer Partnerin Kay Tobin Lahusen aufgenommen worden waren. The Ladder wurde nun in Buchhandlungen vertrieben, und eine Buchhandlung im Greenwich Village plazierte das Heft an prominenter Stelle und verkaufte so legendäre 100 Exemplare pro Monat. Thematische Schwerpunkte waren unter Gittings Leitung eher kontroverse Themen mit dem Ziel, die politische und gesellschaftliche Debatte zu fördern.

Barbara Gittings kämpfte gegen die Einstufung von Homosexualität als psychiatrische Erkrankung, war bei der Gründung der National Gay and Lesbian Taskforce 1973 dabei, unterstütze die Gründung von Gruppen lesbischer Berufstätiger in verschiedenen Bereichen und stand wie kaum eine andere Aktivistin in der lesbischen Geschichte für eine lebensfrohe, stolze und selbstbewusste lesbische Identität.

Sie lernte ihre Partnerin, die Fotografin Kay Tobin Lahusen, 1961 kennen. Das Paar war 46 Jahre bis zu Gittings Tod zusammen.

Barbara Gittings starb am 18. Februar 2007 an Brustkrebs.

Video: Nachruf, Gay Filmmakers‘ Consortium (gogaydvd)

Links und Quellen:

„Equal treatment – no more, no less – is what we want! And compassion – which many homosexuals gladly swallow because they think it represents an improvement in attitudes toward them – is not equal treatment.“