Der designierten Chefredakteurin einer finnischen Tageszeitung, Johanna Korhonen, wurde noch vor ihrem Antritt gekündigt, meldet die taz.

Eine offen lesbische Chefredakteurin sei für den Verlag auf diesem Posten unmöglich, habe der Verlagschef des finnischen Medienkonzerns Alma-Media, Kai Telanne, die Kündigung ihr gegenüber begründet, so Korhonen. Für den Fall, dass sie auf den Posten verzichte und die Gründe nicht öffentlich mache, habe Telanne ihr 100.000 Euro angeboten. Doch Korhonen lehnte ab und ging nun an die Öffentlichkeit: „Ist meine Familie etwa eine kriminelle Organisation?“

(Reinhard Wolff: Kein Platz für Lesbe, taz 4.10.2008)

So etwas kann in Finnland teuer werden. Immerhin ist Finnland das europäische Land, in dem mit Abstand die allermeisten Bürgerinnen und Bürger sagen, sie kennen ihre Rechte für den Fall dass sie Opfer von Diskriminierung werden sollten: 62% aller Finninnen und Finnen bestätigten dies Anfang 2008 – im Vergleich: europaweit war es nur ein Drittel.

Die Firma hat sich sicher keinen Gefallen damit getan, dass sie berufliche Argumente nachgeschoben hat, um die Entlassung zu rechtfertigen. Alma Media Firmenchef Kai Telanne wurde noch am 9. September in einem Wirtschaftsportal mit den Worten zitiert:

Frau Korhonen ist nicht nur eine sehr erfahrene und versierte Journalistin. Sie ist darüber hinaus eine begabte Entwicklerin von Onlinemedien. Sowohl Lapin Kansa als auch die fortschreitenden Prozesse in anderen Zeitungen des Konzerns Alma Media werden von ihren herausragenden Fähigkeiten profitieren.

(Quelle: tradingmarkets.com)

Die Solidarität ist groß: So fordert die Belegschaft der Zeitung, dass Korhonen kommt und stattdessen der Verlagschef seinen Hut nimmt. Hier ein Video von einer Protestversammlung in einer Firmenniederlassung:

Und eine gleichnamige Bloggerin schreibt:

Ich bin nicht die Johanna Korhonen, die als Chefredakteurin von Lapin Kansa gefeuert wurde, aber ich fühle mit meiner Namensschwester. Mit vielen anderen Menschen in Finnland bin ich erschrocken und entsetzt über die „geheuert und gefeuert von einer Sekunde zur anderen“ Behandlung, die sie erfahren hat.

(Quelle: johannakorhonen.fi)

Geschehen konnte all das, scheint’s, weil das Geschlecht im Finnischen grammatikalisch nicht deutlich wird. So merkte der Konzern nicht gleich, dass es statt eines Partners eine Partnerin gibt … auch wenn es ein schwaches Argument ist, dass die Firma Frau Korhohen sonst gar nicht erst eingestellt hätte.

Diese Angelegenheit wird hoffentlich sehr, sehr teuer!

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