Anke Schäfer – ein persönlicher Nachruf

von | 16. Januar 2014 | Identitäten, Vergangenes | 1 Kommentar

Anke Schäfer - Bild aus dem Film "Von Heute An", 2007Von Anke Schäfer als Verlegerin wusste ich lange bevor ich sie mal persönlich kennengerlernt habe, erst in ihren letzten Jahren. Vielleicht kannte ich sie vom Sehen, von Lesbenfrühlingstreffen. Meine erste Begegnung mit ihr ergab sich, weil Bea Trampenau bei uns anfragte, ob wir Anke beherbergen könnten, sie käme zum 70. einer Freundin nach Hamburg. Es hat mich für sie eingenommen, wie unkompliziert sie zu Gast sein konnte bei Lesben, die ihr völlig fremd waren. Vom ersten Augenblick an die Wohnung teilen für ein paar Tage. Auf dem Weg zu der Geburtstagsfeier stiegen wir in Dammtor in einen Bus und trafen eine lesbische Fahrerin an:

Ich werde mich noch lange daran erinnern, wie lesbisch sich Hamburg für mich angefühlt hat durch dieses Zusammentreffen. Anke warb mich an für “SAFIA – Lesben gestalten ihr Alter e.V.”, sie war meine “Mate”. Bei einem der SAFIA-Treffen in Altenbücken gingen wir spazieren und sie sprach von ihrem Wunsch, in so einer ebenen Gegend ein lesbisches Zuhause für ihr Alter zu haben, mit anderen zusammen, sie hatte ziemlich konkrete Pläne. Anke ist ja Mitgründerin der SAPPhO Frauenwohnstiftung, 1997 vom Land NRW anerkannt, die einzige gemeinnützige Stiftung von und für Lesben in Europa. Ich zitiere Anke aus dem neuen Wikipedia-Eintrag dazu: „Wir waren sehr stolz, als wir das erreicht hatten. Die Stiftung hat den einzigen Zweck, Wohnraum für ältere Lesben zu schaffen.“ Mit ihrem Elan für die Stiftung hat sie uns Jüngeren eine Möglichkeit geschaffen. Sie selbst ist dann in das lokale Altersheim in Charlottenberg umgezogen. Sie hatte zuvor mit den anderen Bewohnerinnen Kontakt aufgenommen und mit ihnen Zeit verbracht. Ich habe den Ort vor Augen, weil ich Anke mal besucht habe und wir auch dort spazieren gingen. Das war nach dem LFT 2010 in Hamburg. Sie wusste, dass es ihr letztes sein würde und wohnte wieder bei uns, weil wir in Fußnähe zum Veranstaltungsort waren. Neben dem ganzen Riesentrubel des LFT haben wir miteinander persönlich reden können, zuhause. Da hat sie mir von ihren Erinnerungen an die Kinderlandverschickung im Zweiten Weltkrieg erzählt. Sie hatte wissen wollen, wo ich aufgewachsen bin und da fielen ihr diese Geschichten wieder ein, sehr detailliert hat sie mir alles geschildert, beeindruckend. „Von heute an!“ Ein Film über Anke Schäfer von Ulrike Bez wurde bald darauf im Haus Drei gezeigt. Darin gibt es Szenen, in denen Anke in Clown-Rolle zu sehen ist und die mir sehr gut gefallen haben, weil ihre Persönlichkeit darin nochmals facettenreich zum Vorschein kommt.

[Mich hat jemand auf Folgendes aufmerksam gemacht: „Charlottenberg war & ist kein lokales Altersheim, sondern es gibt in diesem Ort ein Wohnprojekt von Safia-Frauen, dort hatte Anke gewohnt, bis sie Anfang vorigen Jahres in ein
Pflegeheim in Katzenelnbogen umziehen musste. Es gibt allerdings Pläne dort in der Gegend für ein lesbisches Altersheim.“]