Ich weiß, ich weiß, Ihr wartet sehnsüchtig auf den letzten Teil meines Berichts.

Ich konnte nicht früher schreiben, denn heute nachmittag hatten Schatzi und ich noch einen anderen Termin: Leskultur hier in Frankfurt im Frauenloft. Leider war diese Veranstaltung überhaupt nicht gut besucht. Nur 5 Frauen wollten hören, welche Lesbenbücher ich vorstelle. Wir haben daraufhin beschlossen, nach 10 Jahren es mit dieser Veranstaltung erst mal sein zu lassen. Es lohnt sich einfach nicht mehr.

Aber nun zurück zur Fachtagung.

Heute, am Sonntag war das Schlußplenum. In der großen Runde wurden die Berichte aus den einzelnen Workshops vorgetragen. Sämtliche Workshops wurden protokolliert und werden dann später in einer Broschüre zusammengestellt, die dann alle interessierten Lesben bekommen können. (Hier gibt es Dokumentationen der vorherigen Tagungen).

Anschließend ging es dann um die Gründung des Dachverbands „Lesben und Alter“.          Der Dachverband wurde mit einstimmigen Votum gegründet. Es wurden 5 Lesben gefunden, die in die Verantwortung gehen, die als vorübergehende Sprecherinnen des Vereins fungieren wollen. Der Dachverband wird wirklich gewollt von den anwesenden Lesben und Gruppierungen aller Art.

Mir ist natürlich klar, das lesbe jetzt sagen kann, aber es gibt doch den Lesbenring als Dachverband, was soll denn noch einer oder das wird doch sowieso nichts mit den Lesben, bis die mal was auf die Reihe kriegen!

Aber ich muss sagen, an diesem Wochenende habe ich es zum ersten Mal in 16 Jahren Lesbenarbeit erlebt,

– dass Lesben sich nicht gegenseitig ausgebremst haben,

– dass nicht ständig irgendeine ihre Bedenken geäußert hat,

– dass Lesben, die mal bestimmter im Ton wurden, um die Diskussion zur Entscheidungsfindung voranzubringen, nicht sofort niedergemacht wurden,

– dass es kein schwammiges „naja, ich weiß nicht“ gab,

– die Lesben kamen nicht ständig vom „Höckchen aufs Stöckchen“,

– dass die anwesenden Lesben diesen Dachverband wirklich haben wollen und konstruktiv an dessen Entstehung mitgearbeitet haben.

Und ich bin auch davon überzeugt, dass keine Konkurrenz zum Lesbenring aufgebaut wird (Ihr wisst ja von meinem LFT-Bericht, dass ich da auch drin bin). Denn es geht bei „Lesben und Alter“ um ein spezifisches Thema, während der Lesbenring eine breitgefächerte politische Ausrichtung hat. Es gibt auch die Absichtserklärung der beiden Verbände, wechselseitig beizutreten. Und das ist auch gut so!

Leider mußten Schatzi und ich die Diskussion früher verlassen (siehe oben), deshalb kann ich leider nicht mehr berichten.

Mein Fazit: ein wunderbares, produktives Wochenende mit vielen positiven Eindrücken und einer wunderbaren Moderationsleistung durch Bea Trampenau und Carolina Brauckmann, die einfach für einen strukturierten und auch zügigen Ablauf sorgten; die bei den wenigen (!) abschweifenden Diskussionen die Gespräche wieder in die richtigen Bahnen lenkten. Ihre auf Fachkompetenz begründete Autorität wurde respektiert. Und vor allen Dingen beteiligten sich alle Lesben rege an allen Themen. Ein Dankeschön und Kompliment an alle anwesenden Lesben: wir haben auf dieser Tagung wirklich etwas erreicht!