Samstag, 31. Oktober, 20.24 Uhr. Ich schenke mir heute das Abendprogramm (die Clownin Aphrodite) und schreibe stattdessen den nächsten Beitrag.

Also, diese Landluft ist ja nix für uns Städterinnen. Vielzuviel Sauerstoff. Da wird frau ja richtig müde! Wir haben wunderbar geschlafen, trotz harter Matratze, und mussten uns heute morgen richtig dazu zwingen, aufzustehen. Aber es wartete ja ein langer, arbeitsreicher Tag auf uns und da is nich mit rumlungern.

Schatzi und ich also raus, gewaschen, angezogen und runter zum Frühstück. Welches natürlich auch wieder sehr abwechslungsreich und lecker war. (Schatzi würde wohl am liebsten die Köchin abwerben.)

Um 10 Uhr ging’s dann mit dem ersten Teil los. Wir trafen uns im Saal und haben uns dann noch mal mit der Frage „Was bewegt mich und was möchte ich bewegen“ beschäftigt.      

Verschiedene Schlagworte dazu waren auf Blättern auf dem Boden verteilt und wir sollten uns dann zu dem Thema stellen, dass uns besonders beschäftigt. Da gab es dann zum Beispiel das Thema „Einfluß nehmen auf die Seniorinnenpolitik“ zu dem ich mich stellte. Wir waren drei Frauen und kamen schnell zu der Überzeugung, dass die Lesben, die in politischen Gruppierungen, Parteien etc. arbeiten, sich vernetzen sollten, um diesen Einfluß zu ermöglichen. Wir sind da jetzt nicht tiefschürfend geworden. Es ging einfach nur um kurze Statements dazu. Eine andere Gruppe fand es zum Beispiel wichtig, dass Lesben Einfluß auf die Inhalte der Pflege nehmen, damit die Bedürfnisse von Lesben nicht übersehen werden. Andere wiederum fanden, dass es wichtig ist, öffentlich zu machen, dass es Lesben gibt, die sich eine angemessene Pflege einfach nicht leisten können, und dass dieser Mangel enttabuisiert wird.

Danach gab es nochmal eine Vorstellungsrunde, in der die Lesben dann kurz skizzierten, aus welchen Zusammenhängen sie kommen. Es sind Lesben von Hamburg bis München, von Köln bis Berlin hier. Wissenschaftlerinnen, Lesben, die in der Pflege arbeiten, die Wohnprojekte planen, die in Vereinen und Gruppen engagiert sind.

Danach stellten sich einzelne Projekte vor, die ich hier jetzt aber nicht näher beschreiben möchte, dass würde den Rahmen sprengen. Hier ein paar Beispiele. Auf www.lesben.org findet Ihr noch viel mehr. Klickt auf die Namen, dann kommt Ihr zur deren Internetseiten.

Rosa Alter, München

LeTRa, München

Sonntags-Club, Berlin

ALTERnativen, Köln

Intervention e.V., Hamburg

RuT, Berlin (die jetzt übrigens ein großes Wohnprojekt in Angriff nehmen und dafür auch schon jede Menge Zuschüsse erhalten haben. Die Glücklichen!)

Dann war auch schon wieder Zeit für’s Mittagessen. (Und schon wieder lecker :-))

Um 15 Uhr ging es dann mit den Workshops weiter. Insgesamt waren es 6, wobei drei jeweils gleichzeitig stattfanden. Lesbe mußte sich also entscheiden, wo sie hin wollte. Schatzi ging zu „Demenz – was ist das eigentlich?“:

Das Thema wurde von sehr kompetenten, kenntnisreichen Fachfrauen gestaltet (Martina Bömer und Katharina Regenbrecht). Sie erläuterten sehr detailliert, was Demenz ist, welche Arten es gibt, wie Demenz vermeintlich diagnostiziert wird, die vier üblichen Demenztests, die ersten Anzeichen, sowie die drei Stadien des Krankheitsverlaufs. Katharina Regenbrecht erläuterte zudem die Bedeutung von Traumaerfahrung bei dement-veränderten Frauen. Beide vermittelten einen eher kritischen Umgang mit diesem Thema, insbesondere in puncto Diagnostik und Therapie in der Schulmedizin. Sie sind der Überzeugung, dass zwar der Geist geht, aber das Herz nicht dement wird, sprich: Gefühle bleiben. Beispiel: eine Frau ist hochgradig dement, sitzt seit Jahren im Sessel, spricht nicht, zeigt keinerlei Reaktionen. Martina Bömer ging mit ihr zu einer Kölner Karnevalssitzung. Als die alte Frau das Kölner Dreigestirn sah, rief sie laut und begeistert „Kölle Alaaf, Kölle Alaaf!“

Schatzi fand den sehr professionellen, kritischen und sensiblen Umgang der Referentinnen mit diesem Thema sehr bewundernswert. Für sie als Laiin jedoch schwer nachvollzieh- und umsetzbar.

Ich habe mich nochmal intensiver mit dem Dachverband „Lesben und Alter“ beschäftigt. Ja, ich habe mich breitschlagen lassen, da einzutreten, wenn der Verband dann endlich existiert und ja, ich werde auch was tun. Mit (hoffentlich) freundlicher Unterstützung meiner kompetenten EDV-Fachfrau habe ich die Betreuung der zukünftigen Homepage übernommen. Nicht deren Aufbau!

Nach einer kurzen Kaffee-und-Kuchen-Pause ging es zum nächsten Workshop: Schatzi war bei der Vertiefung des gestrigen Vortrages „Lesben und Gesundheit“ und ich bei Carolina Brauckmanns „Das eigene Leben leben – Lesben und Schwule in der Pflege/Marketing, Kooperation“. Sie berichtete von ihren Erfahrungen bei der Annäherung zwischen ALTERnativen und der Diakonie Michaelshoven in Köln unter dem Motto „Community goes Altenheim“. Wie in einer Kooperation Einfluß genommen werden sollte/soll auf eine „klassiche“ Pflegeeinrichtung, um diese für die Bedürfnisse von Lesben und Schwulen zu sensibilisieren. Davon, welche Schwierigkeiten und Unverständnis es gab, dass zwar Führungspersonal aufgeschlossen und durchaus begeistert war, es dann aber bei der „Aufklärung“ der einzelnen Pflegenden scheiterte. Doch ALTERnativen gibt nicht auf und will auch weiterhin dafür arbeiten, dass „stinknormale“ Einrichtungen sensibilisiert werden.

Weitere Ergebnisse des Workshops: wir werden niemals genügend alternative Angebote für Lesben haben; der Bereich ambulante Pflege ist noch kaum mit dem Thema konfrontiert worden; Veranstaltungen, Fortbildungen/Schulungen für Pflegepersonal sind enorm wichtig. Es  besteht insgesamt noch ein großer Aufklärungsbedarf. Richtlinien, Handreichungen und auch ein bundesweiter Verband können dabei helfen.

Klar ist einfach: es hängt viel von einzelnen Personen auf beiden Seiten ab, das Thema braucht viel Geduld und langen Atem, eine Umsetzung der Charta der Vielfältigkeit wäre ein Ziel.

Dann gab es endlich Abendessen und jetzt ist Freizeit angesagt. Mein Kopf raucht auch immer noch ein bißchen. Deswegen gehe ich jetzt hinaus in dunkle Sternen/Geisternacht und bringe ein Rauchopfer dar.

Nacht!