Auf den Tag genau vor 20 Jahren wurde der Verein Lebendiges LesbenLeben e.V. (LLL) in Frankfurt am Main gegründet. Eine gute Gelegenheit, im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus, in dem der Verein jetzt seit 18 Jahren zuhause ist, ein wenig zu feiern. Die aktuellen Vorstandsfrauen Karin, Elke und Mari hatten dazu eingeladen und viele kamen.
Ich würde mal auf ungefähr vierzig Frauen tippen, die  ein wenig über die Anfänge von LLL erfuhren.
Bei Kaffee, Kuchen und Karoffelsalat begrüßte Karin die anwesenden Lesben. Danach gab es eine kleine Führung durch das Erdgeschoß und den ersten Stock des LSKH, wo an den Wänden Plakate aus 20 Jahren Vereinsgeschichte aufgehängt waren. Anhand dieser Plakate wurde den Frauen gezeigt, wie vielfältig die Veranstaltungen im Hause waren und sind: Kultur mit Carolina Brauckmann, den Bebretterten Rosinen, Theater unterm Regenbogen und den Liederlichen Lesben;  gemütliches Beisammensein im Lescafé, an Videoabenden und Büchernächten; Lesbenreisen, Outdoor-Aktivitäten und Vorträge zu vielen verschiedenen Themen.
Anschließend gab es eine Gesprächsrunde mit vier der zahlreichen Gründungsfrauen: Maria, Renate, Anke und Carmen. Sie erzählten uns, wie LLL zustande kam.                      
Ende der Achtziger Jahre gab es in der Frankfurter Frauenschule, die damals noch in der Hamburger Allee war, eine Gruppe von Lesben, die sich jeden Mittwoch trafen, um zu verschiedenen Themen zu diskutieren, die Mittwochsrunde. Es gab in regelmäßigen Abständen eine Lesben-Rallye, die von Hanneliese Richter (leider vor ein paar Jahren verstorben) organisiert wurde und großen Anklang fand. Doch die Lesben wollten mehr. In vielen Diskussionen nicht nur am Mittwoch und bei Hanneliese auf dem Balkon waren sich die Lesben schnell einig, dass ihre Themen bei den Frauengruppen der Frauenschule und des – damals noch existierenden –  Frauenkulturhauses kaum auf Interesse stießen. Es war mal wieder das gleiche Problem, wie an vielen Orten der Frauenbewegung: Lesben engagierten sich stark in diesen Gruppen, aber ihre eigenen Themen fanden kaum einen Platz. Als dann 1989 Frankfurt eine rot-grüne Regierung erhielt, war der politische Wille da, einen Ort für Lesben und Schwule in der Stadt zu schaffen.
Aber dazu bedurfte es eines Lesbenvereins. Denn die Lesben wollten nicht einfach bei einem schwulen Verein unterschlüpfen. Also wurde – auch auf massivem Betreiben von Hanneliese – am 15. November 1989 Lebendiges LesbenLeben e.V. gegründet. 1991 konnte LLL dann zusammen mit dem schwulen Verein emanzipation e.V. das Lesbisch-Schwule Kulturhaus in der Klingerstraße beziehen: ein ehemaliges Geschäft für Bad und Sanitär und in den Anfängen noch eine einzige große Baustelle.
(Liebe Lesben, die ihr es besser wißt, bitte entschuldigt meine etwas verkürzte Darstellung, alles eine Frage des Länge des Artikels. Bitte korrigiert offensichtliche Fehler meinerseits in den Kommentaren. Danke!)
Maria, Renate, Anke und Carmen schilderten sehr eindrücklich, was sie in der Anfangszeit erlebt hatten und auch für mich, die schon ein bißchen was über die Gründung des Vereins wusste (bin seit 16 Jahren Mitfrau und war auch ein paar Jahre im Vorstand), war es wirklich unterhaltsam und spannend davon zu erfahren.
Zum Abschluß des offiziellen Programms gab es dann den allerersten Auftritt des Trios „Die reifen Früchtchen“. Marianne, Renate und Ann-Kathrin unterhielten uns wunderbar mit leider nur 4 Liedern über lesbisches Leben und verdienten sich einen Riesenapplaus des Publikums. Ich kann nur sagen, weiter so, liebe Früchtchen! Ich hoffe, wir hören bald mehr von Euch!
Es war alles in allem eine sehr schöne Feier und es war toll, auch einige alte Bekannte wiederzusehen.

Ich finde es immer noch ganz erstaunlich, was sich alles aus LLL heraus entwickelt hat: das LIBS, das Lesbenarchiv, die Liederlichen Lesben, Theater unterm Regenbogen, das sonntägliche Lescafé, das zu Anfang nur einmal im Monat stattfand und recht bald dann jeden Sonntag geöffnet hatte;
es gab (und gibt) Oldie-Parties (bei den Heteros heißt das Ü30, Ü40, Üwasweißich), es gab Lesben-Single-Parties und zum CSD eine ganze Woche mit Veranstaltungen (Homosolidarität).
Ich könnte noch eine ganze Weile so weitermachen. Aber ich lass es mal.
An dieser Stelle möchte ich nur noch den Wunsch äußern, dass es LLL hoffentlich noch recht lange gibt und dass ich alle Lesben dazu aufrufen möchte, den Verein zu unterstützen und diese wichtige Einrichtung zu nutzen. Denkt dran, wenn es erst einmal weg ist, ist es nicht so leicht, einen Lesbenort wieder aufzubauen. Und ich finde, sie werden auch heute noch gebraucht.
Manchmal ist es doch ganz schön einfach mal nur unter Lesben zu sein, oder??

Links:

LLL e.V. im Lesbisch-Schwulen Kulturhaus

LIBS

Liederliche Lesben

Lesbenarchiv