Zum 10. Jahrestag der Anschläge auf das World Trade Center porträtiert das US-Magazine The Advocate in seiner online-Ausgabe 7 schwule Männer und 3 lesbische Frauen, die als Opfer und als Helferinnen unmittelbar betroffen waren:

Carol Flyzik, Bild: advocate.com

Carol Flyzik, Bild: advocate.com

Carol Flyzik, die nach einem wunderbaren Wochenende mit ihrer Partnerin Nancy Walsh, mit der sie gemeinsam mehrere Kinder aufgezogen hat, ausgerechnet mit American Airlines Flug 11 beruflich an die Westküste reisen wollte. Das Flugzeug war das erste von zweien, die in das World Trade Center krachten.

Pamela Boyce, Bild: advocate.com

Pamela Boyce, Bild: advocate.com

Pamela Boyce, die in ihrem Büro im 92. Stock des World Trade Center arbeitete, als American Airlines Flug 11 das Gebäude traf. Sterben war ein Thema, das sie mit ihrer Partnerin Catherine Anello oft besprach. „Betrauere nicht meinen Tod, feiere mein Leben,“ war ihre Bitte an die Geliebte.

Jessica DuLong, Bild: advocate.com

Jessica DuLong, die mit einer Crew von Freiwilligen auf dem historischen Feuerlöschboot John J. Harvey gerade vor Ort war und tagelang blieb, um zu helfen, Massen von Wasser zu pumpen und Tonnen Hilfsmittel zu sortieren. Die freiberufliche Autorin ist stolz auf die Arbeit, die sie und die anderen geleistet haben.

Als die deutsche Internet-Seite queer.de – wie weltweit zahlreiche, insbesondere lesbische oder auch schwule Medien – vor einigen Monaten über ein lesbisches Paar berichtet hat, das nach dem Anschlag auf das Ferienlager der norwegischen sozialdemokratischen Partei auf der Insel Utøya daran beteiligt war, viele Jugendliche zu retten, gingen die Wellen hoch: In bewährter Selbstgeißelung zerlegte sich die LGBT Community mal wieder selbst. Vorbilder? Bäh! Wir doch nicht!

Damals schrieb ich in einem Kommentar bei queer.de:

„Eine Frauenzeitschrift wie die Brigitte Woman würde ganz selbstverständlich, wenn sie berichtet, über eine Frau 40+ und deren Sicht und Handlungen berichten. Für ein Jugendmedium wären jugendliche Heldinnen und Heldinnen im Fokus. Sozialdemokraten in aller Welt gedenken der Opfer und der Helferinnen und Helfer des sozialdemokratischen Sommercamps. Und meint jemand wirklich, dass in beispielsweise einem türksich-norwegischen Medium darauf verzichtet würde, einen türkischen Helfer zu porträtieren?
All das bedeutet keineswegs, das man die anderen Menschen nicht sieht oder sie geringschätzt. Es bedeutet lediglich, dass man einen Fokus wählt, den andere nicht so in den Mittelpunkt stellen, weil sie andere Zielgruppen und Interessen haben.

Die Einzigen, bei denen dieser besondere Fokus Anstoß erregt, sind die Schwulen und Lesben. Und als wäre das nicht schlimm genug, sind wir selbst wieder einmal diejenigen, die in vorauseilender Selbstzerfleischung die neutralsten der neutralen sein wollen … und dabei ein weiteres Mal in Beliebigkeit versinken.“

Also, L-talk wird weiterhin Vorbild-Stories veröffentlichen. Wir wollen dazu beitragen, dass Lesben sichtbar sind und freuen uns über jede, die den Mut dazu hat, in ganz normalen und in ganz besonderen Situationen nicht nur offen lesbisch zu sein, sondern auch darüber zu reden.